Nun ist der Baum wieder in der richtigen Form. Welche
Schnittmaßnahmen werden dann in Folge ausgeführt?
Instandhaltungsschnitt:
Stabilität der Gerüstäste stärken, Förderung der Triebbildung und Erneuerung des
Fruchtholzes.
Regel:
Gute Qualitätsfrüchte vor allem an jungem Kurzholz (nicht älter als 3 Jahre) und an
jungen, kräftigen Trieben mit großen, gesunden Blättern.
Schnittkonzept:
Alle Astpartien müssen ausreichend belichtet werden. Deshalb vor allem zu dicht gewordene
Partien in der Krone auslichten. Dabei Konkurrenztriebe und nach innen wachsende kräftige
Triebe abschneiden.
Achtung: Triebbegünstigte Spitzenzonen dürfen tiefer liegende Kronenteile
nicht überwachsen und somit das Licht entziehen
Thema: Erziehungsschnitt
Frisch gepflanzter Obstbäume. Diese sollen nun
auch den notwendigen Schnittmaßnahmen unterworfen werden. Um welche handelt es sich und
wie werden sie ausgeführt?
Modell:
Apfel, Sorte 'Rewena', Halbstamm.
Aufbau- oder Erziehungsschnitt:
Wichtig Kronenaufbau. Deshalb beim 1. Schnitt: folgende Regel:
Konkurrenztrieb (Afterleittrieb) wegschneiden (= Trieb aus zweitoberster
Knospe), wird oft
schon in der Baumschule entfernt.
3 bis 4 künftige Leitäste (Leittriebe) auswählen, die am Stamm gut
verteilt sein sollen.
Formieren: evtl. 1 bis 2 für Kronenaufbau nicht benötigte Triebe waagrecht
binden, die zu steil
stehenden Triebe abspreizen, Mindestwinkel 45°.
Anschließend Rückschnitt: mittleren Leittrieb um etwa 1/3 einkürzen
(Knospe nach außen!,
8 bis 12 gut entwickelte Knospen sollen verbleiben. Danach die anderen
Leitäste in gleicher
Höhe waagrecht schneiden, auf außen stehende Knospen. Stammverlängerung
(oberster Trieb)
1 Handbreit über der Waagrechten schneiden (genau: Apfelbaum 15 cm, Birnbaum
5 cm).
Welche Schnittmaßnahmen sind an einem solchen jungen Baum in
den Folgejahren auszuführen? Wann ist überhaupt die Zeit des Erziehungsschnitts beendet?
Zeit:
sobald ein genügend kräftiges Astgerüst aufgebaut ist, im Allgemeinen nach 4 bis 5
Jahren.
Dann:
Auslichtungsschnitt:
An Stammverlängerung Konkurrenztrieb + evtl folgenden steil wachsenden Trieb
ganz entfernen. Bei anderen Leitästen Konkurrenztriebe und astoberseits kräftige
Triebe wegschneiden, Bei waagrechten Trieben Ständertriebe wegschneiden,
Kurztriebe schonen!
Formieren:
Winkelstellung der Äste überprüfen, evtl. korrigieren (abspreizen oder hochbinden)
und an Stammverlängerung 1 bis 2 Triebe waagrecht binden.
Rückschnitt:
Leitäste richtig zurückschneiden damit sich Fruchtäste bilden können. Regel:
Leitastlänge 50 bis 80 cm + 3 bis 4 Knospen. Dort Rückschnitt der Leitäste und
Stammverlängerung im Winkel von 60° zur Stammverlängerung.
Der Schnitt wird hier an einer sicher noch wenig bekannten
Apfelsorte ausgeführt. Was ist denn das Besondere an dieser und ähnlichen Sorten?
R-Sorten:
Mehltauresistente Sorte. Zu erkennen an dem Anfangsbuchstaben "R"..
Weitere R-Sorten:
Für den kleinen Garten werden noch empfohlen: Reglindis, Resi, Renora, Rebella, Regine,
Relinda (nach Prof. Dr. Fischer, Pillnitz).
Thema: Schnittmaßnahmen beim Steinobst
Neben dem Kernobst spielen auch einige
Steinobstarten eine wichtige Rolle. Welche Schnittmaßnahmen sind bei den Kirschen
erforderlich?
Süßkirsche:
früher vielfach nur Hoch- und Halbstämme auf starkwachsenden Unterlagen. Neuerdings
auch schwachwachsende Unterlagen. Schnittarbeit relativ gering.
Pflanzschnitt:
angestrebt wird Pyramidenkrone. Deshalb Mitteltrieb anschneiden und 3 bis 5 weitere Triebe
stehen lassen. Später nur schwächere Quirltriebe auslichten. Wird Krone zu hoch, dann
Leitäste und Gipfel auf Seitenzweige "ableiten".
Sauerkirsche:
Erziehung als Pyramiden- oder Hohlkrone. Stammhöhe 50 bis 60 cm.
Pyramidenkrone:
üblich, wobei je nach Sorte etwas unterschiedlich verfahren werden muss., z.B. bei
aufrecht bzw. steil wachsenden Sorten (Beutelspacher Rexelle, Koröser usw.)alle 3 bis 4
Jahre einen Auslichtungsschnitt durchführen, bei Schattenmorelle mit überhängender
Krone jährlich Fruchtholz verjüngen.
Hohlkrone:
Stammverlängerung wird entfernt. Möglich bei steilwachsenden Sauerkirschen. Umstellung
erfolgt nach etwa 5 oder 6 Jahren. Dann nur noch 3 bis 4 steil stehende Leitäste. Dadurch
bessere Belichtung und Fruchtqualität (auch bei Pfirsichen).
Welche Schnittmaßnahmen sind nun bei Pflaumen und Zwetschen
üblich? Bei diesen Obstarten gibt es doch auch einige neue Sorten, die wir einmal
erwähnen sollten?
Kronenform:
Üblich ist die Pyramidenkrone, auch Hohlkrone möglich. Gelegentlich auch Tellerkrone.
Diese Krone besteht aus 8 bis 12 leicht schräg nach oben ausgerichteten Fruchtästen am
Stamm ab einer Höhe von 80 cm bis 1,60 m.
Wasserschosse:
Diese Steinobstarten neigen zu starker Neutriebbildung (so gen. Wasserschossen) Diese
regelmäßig entfernen.
Scharka:
Seit etwa 50 Jahren neue Krankheit (Virose), die wohl aus Jugoslawien eingeschleppt wurde
(Scharka). Dadurch deutlicher Ertragsrückgang. Vorbeugend scharkaresistente Sorten
pflanzen.
Gut: Cazaks Beste, Cacaks Schöne, Ersinger, Katinka, Hanita usw. Einzige absolut
resistente Sorte: 'Jojo'.
Noch einen Punkt sollten wir unbedingt ansprechen. Zu welchem
Zeitpunkt werden denn alle diese Schnittarbeiten am besten ausgeführt?
Frostabhängigkeit:
Schnittarbeiten bei milder Witterung, etwa bis 6°C.
Abhängigkeit von Obstart:
Baumobst am besten wenn strenge Fröste vorüber sind. Holzfrostempfindliche Apfelsorten
z.B. 'Boskoop', 'Jonagold', 'Idared' oder 'Elstar' erst im Spätwinter., auch Jungbäume
bis zum 5. Standjahr erst ab Ende Februar. Beginnen mit Sauerkirschen und Zwetschen (da
sie früh austreiben), dann Apfel und Birne.
Thema: Schnittmaßnahmen beim Beerenobst
Im Obstgarten spielen auch die Beerensträucher
eine bedeutende Rolle. Auch sie müssen einem regelmäßigen Schnitt unterzogen werden.
Welche Schnittarbeiten sind im Winter bei Johannisbeeren auszuführen?
Schnittarten:
Auch Pflanzschnitt (5-7 Triebe), Erziehungs- Instandhaltungs- und Verjüngungsschnitt.
Erziehungsschnitt:
Zunächst stabile Achsen aufbauen. Deshalb Leitäste jährlich ½ zurückschneiden,
Seitenäste 1. Ordnung auf 3-4 Seitenachsen und 2. Ordnung auf 2 3 Knospen.
Verjüngungsschnitt:
Beginnen nach dem 5. Jahr, alljährlich1 bis 2 Leitäste ganz entfernen.
Ergänzungstriebe aus Basis nachziehen. Sträucher, die wenig geschnitten wurden,
zusätzlich auslichten. (Bei schwarzen Johannisbeeren schon nach 3 Jahren verjüngen).
Übrigens:
Rote + weiße Johannisbeeren tragen am ein- und mehrjährigen Holz Früchte. Schwarze
Johannisbeeren ausschließlich am einjährigen.
Auch Stachelbeeren müssen einem Schnitt
unterworfen werden. Welche Schnittmaßnahmen sind jetzt im Winter auszuführen? Auch
sollten wir noch auf einige neue Sorten hinweisen:
Winterschnitt:
Jede Pflanze besteht aus 5 oder mehr Ranken. Nach 2 Jahren abgetragen. Dann alte Ruten
entfernen, immer junge Triebe nachziehen.
Sträucher / Büsche:
Erziehungsschnitt: 6 bis 8 Leitäste, Bodentriebe jährlich entfernen. Leitäste
über 3 Jahre 1/3 einkürzen. Seitentriebe auslichten (bei mehltauanfälligen Sorten auch
auf 6-8 Knospen zurückschneiden (Schnittgut einsammeln und "entsorgen").
Verjüngungsschnitt: ab dem 4 Jahr immer 2 Leitäste auf jeweils einen jungen
Seitentrieb in Bodennähe verjüngen.
Hochstämmchen:
Krone jährlich kräftig auslichten. Später ältere Gerüstäste durch einen Jungtrieb
aus der Mitte ersetzen. Kontinuierlicher Schnitt verhindert vergreisen!
Sorten:
Stachelbeermehltau weit verbreitet. Jetzt auch resistente/tolerante Sorten, z.B. Redeva,
Remarka, Rokula, Invicta, Hinnonmäki.
Bei Brombeeren sollten erst im Spätwinter bzw. vor dem Austrieb
im Frühjahr bestimmte Schnittarbeiten ausgeführt werden. Welche sind das und wann ist
ein weiterer Schnitt erforderlich?
"Winterschnitt":
Jede Pflanze besteht aus 5 oder mehr Ranken. Nach 2 Jahren abgetragen. Dann alte Ruten
entfernen, immer junge Triebe nachziehen.
"Sommerschnitt":
Seitentriebe (Geiztriebe) immer auf 4 bis 5, Neuaustriebe dann auf 1 bis 3 Augen
zurückschneiden.
Himbeerruten wurden bereits im Sommer
geschnitten. Was steht aber jetzt noch an?
Überlange Ruten nach letzten Winterfrösten auf 160 bis 180 cm
Länge zurückschneiden oder Spitzen bogenförmig umlegen und am Spanndraht befestigen.